Veganismus

diesen Platz nutze ich um hier und da ein paar Gedanken von mir über Veganismus festzuhalten.

Vegan ist nicht gleich Vegan

Die Thematik Rund um den Veganismus ist in den letzten Jahren immer mehr in unsere gesellschaftliche Mitte gerückt und ist inzwischen kaum noch zu übersehen. Restaurants bieten vegane Optionen an, die Fastfoodkette in der Innenstadt verkauft Couscous Salat und selbst in Mamas Lieblingssupermarkt gibts Soja Milch in verschiedenen Variationen von mehreren unterschiedlichen Vertrieben. Doch mit der wachsenden Menge an vegantauglichen Lebensmitteln, steigt gefühlt gleichförmig das „Fachwissen“ eines jeden, der auch Fleisch isst. Damit man sich selbst noch wohl fühlt zwischen anderen am Kassenband, sucht man sich Gründe, die es einem unmöglich machen sich an eine vegane Lebensweise zu gewöhnen. Neben „Ich habe sonst nicht genug Energie für den Tag“ oder „davon werd ich ja nie satt“ ist ein berühmter Spruch „das ist mir viel zu teuer!“. Damit kommt ein sehr interessanter Aspekt ins Spiel, den man in verschiedenster Weise auslegen kann. 
Es ist nicht möglich, die vegane Lebensweise als teurer zu titulieren, als gewöhnliche omnivore, da es auch hier erhebliche Unterschiede gibt. Wo die einen lieber für Direktsäfte, „Bio“-Fleisch und Eier sowie Vollkornbrot in die Tasche greifen, gibt es auch die, bei denen Discounterlimo, ja!-Salami und Süßigkeiten sowie billig Sandwichtoast auf dem Kassenband landen. Dieser Einkauf kann auch für einen Veganer geeignet sein, der aber statt Salami einfach zum Beispiel zu einem billigen Tomatenaufstrich greift. 
Genauso wie bei Omnivoren, können sich Veganer sehr gesund oder ungesund, wie auch kostspielig und kostengünstig ernähren. Die einen ziehen eine überwiegend frische Ernährung vor, gehen meist gar nicht weiter durch den Supermarkt als durch die Obst und Gemüseabteilung, während andere nur zwischen Pasta und Fertigsoßen zu finden sind. Dieser Gedankenfehler passiert oft, da meist eine sehr gesunde Ernährung bzw. eine ökologische mit der veganen Ernährung verwechselt wird. Eine bewusste Ernährung ist leider noch lange nicht mit der veganen gleichzusetzen. Nur weil man kein Fleisch isst, heißt es wie bereits angedeutet nicht, dass man sich gesund ernährt. Andersherum kann man nicht bei einer Person, die Chia Samen, Mandelmilch, glutenfreie Produkte und zuckerfreie Lebensmittel einkauft darauf schließen, dass diese sich vegan ernährt. Es könnte möglich sein, dass dieser Fehler häufig passiert, weil viele der Menschen die die vegane Ernährung vorziehen, sich umfänglich mit körperlicher Gesundheit auseinander setzen, da genau drauf geachtet wird, was man nun zu sich nimmt. Wenn es keine tierischen Produkte mehr aus ethischen Gründen sind, so ist der Schritt zu einer weniger industriellen Ernährung nicht mehr all zu weit, dem eigenen Körper zu liebe und um Großkonzerne wie Nestle und co. zu umgehen. 
Die Wichtigkeit und Popularität des Veganismus ist keiner Firma umgangen. Inzwischen finden wir in den meisten Supermärkten Lebensmittel, die mit einem großen „V“ für Vegan oder anderen Hinweisen unübersehbar gekennzeichnet oder beschriftet werden. Auf dem Ersten Blick ist das natürlich super für den Neuveganer, man muss sich keine Ewigkeiten durch die Inhaltsstoffe arbeiten sondern kann direkt zugreifen. Doch am Ende sind es genau diese Personen, die über die vegane Ernährung sagen, sie sei zu teuer. Warum?
Um es mit den Worten meines Uropas zu sagen „Faulheit wird bestraft“, und genauso ist es in diesem Fall. Wer sich noch nicht so ganz in der veganen Ernährungswelt auskennt, und sich damit auch nicht tiefergehend beschäftigen möchte, der bezahlt eben mehr. Es ist keine Besonderheit oder ein Umstand, vegan zu kochen. Viele machen das täglich, ohne dass es ihnen auffällt, und genau diese Lücke der Unwissenheit wird von den Supermärkten genutzt. Der Neuveganer greift lieber zu den teuren Ersatzprodukten, statt sich mit anderen pflanzlichen und kostengünstigen Alternativen und Möglichkeiten auseinander zu setzen, oder bis man sich besser in der Materie auskennt. 
Ich stand neulich vorm Schokoladenregal und wollte mir eine Tafel meiner Lieblingszartbitterschokolade kaufen, welche meine nicht-vegane Mutter auch gern isst, und keine 0,39€ kostet. Wenn man sich erstmal durch die Lebensmittel einige Wochen durchgefuchst hat, weiß man genau was von welchen Firmen vegan ist, und benötigt ansonsten auch keine 3 Sekunden um auf der Rückseite neuer Produkte herauszufiltern, ob das nun veganfreundlich oder nicht ist, was man in den Händen hält. Mittlerweile gibt es auch auf diversen Websites seitenlange Auflistungen von bekannten Produkten die man gewöhnlich kauft, ohne bewusst zu wissen, dass zum Beispiel diese Aufback-Croissants tatsächlich vegantauglich sind. Als ich also bei dem Schokoladenregal stand, sind mir direkt auf Blickhöhe diverse Zartbittertafeln mit einer Kennzeichnung „VEGAN“ ins Auge gesprungen. Ich verglich die Zutaten mit denen, die in meiner Billigschokolade waren – identisch. Ein Vergleich des Preises ließ mich dann aber wütend werden, denn die extra als „VEGAN“ ausgeschriebene Schokolade sollte ganze 1,49€ je Tafel kosten. Es hätte sich für mich erschlossen, wenn andere Zutaten benutzt worden wären, die eine beispielsweise zuckerreduziert gewesen wäre, aber nichts dergleichen. Natürlich ist es nichts neues, dass Ersatzprodukte regulär teurer sind, als herkömmliche. Wichtig ist nur vor Augen zu halten, dass gar nicht immer ein Ersatz nötig ist, wie genau hier in meinem Beispiel und es gibt noch etliche weitere.
Ist es dann noch jemandem vorzuwerfen, der sich nicht mit der Thematik des Veganismus‘ auskennt, aber sagt es sei zu teuer? Denn solchen Personen fallen natürlich nur die Produkte auf, die extra gekennzeichnet sind, obwohl auch die billige Marmelade im eigenen Einkaufswagen genauso vegan ist, wie die groß beschriftete im Regal. Das gekennzeichnete „Ersatzprodukt“ ist nicht nötig, aber dennoch vorhanden, und darüber ist sich nicht ein jeder bewusst. Aber genau hier ist der Punkt: Viele Menschen kennen sich mit der Thematik der veganen Ernährung leider nicht aus, und investieren auch keine Zeit in die Vielfältigkeit dieser. Es benötigt viel Zeit und Interesse, sich erstmal zurecht zu finden, doch jede Minute die man im Supermarkt länger braucht, lohnt sich im Endeffekt. Jetzt darf nur niemand verraten, dass Leckereien wie Mr. Tom Riegel und Oreos (mittlerweile) veganerfreundlich sind, sonst schreibt das noch jemand von der Marketingabteilung ganz groß auf die Packung, und die gekennzeichneten Artikel sind wieder teurer als die unbeschrifteten veganen Artikel, oder?
Sieht man sich an, wohin sich der Trend in den letzten Jahren bewegt hat, scheint es gute Aussichten zu geben. Sojamilch gibt es nicht mehr nur noch im Reformhaus, sondern mittlerweile in jedem Supermarkt, und die pflanzlichen Drinks sind sogar meist in der gleichen Preisklasse wie die tierischen. Ich lebe mein pflanzliches Leben seit einigen Jahren aus eigenem Studenten Portemonnaie und kann versichern, vegan ist nicht gleich vegan, und vegan ist nicht gleich teuer. 

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